zurück zu "Aktuelle Projekte" Eichenwälder in Tirol

Projektleitung: Manfred Hotter Kontakt: Mag. Ing. Manfrred Hotter

Auftraggeber: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz (in Zusammenarbeit mit der Abt. Forstplanung)
Kontakt: Mag. Walter Michaeler






Traubeneiche


Stamser Eichenwald

Betriebsbesichtigung im „Stamser Eichenwald“


Hirschkäfer

Hirschkäfer-Pärchen (Lucanus cervus);
Foto: J. Müller, Terfens, 2011


Leberreischling

Leberreischling (Fistulina hepatica) an Traubeneiche


Totholzgruppe

Verteilung der Totholzgruppen (LTH=liegendes Totholz, STH=stehendes Totholz, Stöcke, alle >10cm Durchmesser); sz=stark zersetzt, vermodert, fZ=fortgeschrittene Zersetzung, bZ=beginnende Z., uz=unzersetzt, frisch tot (durchschnittliche Totholzmenge 57,1 Vfm/ha)


Charakteristik des Projektes
Projekt im Rahmen des Förderprogrammes Wald-Umwelt-Maßnahmen (LE 14-20)

Ziel: Erweiterung des Wissens über die aktuelle Verbreitung und Zusammensetzung der Eichenwälder, Erarbeitung von Grundlagen für Maßnahmen zum Erhalt dieser Waldtypen. Neben dem Schutz der Reste der Eichenmischwälder wird ihre Funktion als stabilisierende Elemente der Tieflagenwälder im Hinblick auf die erwartete Klimaveränderung betont. Es werden konkrete Aktivitäten zur Förderung eichenreicher Wälder auf den potenziellen Standorten ausgelöst sowie beteiligte Personen und Institutionen informiert und sensibilisiert.

Beteiligte: Abt. Umweltschutz, Abt. Forstplanung; 6 Bezirksforstinspektionen, zahlreiche WaldbesitzerInnen, WLM

Leistungen:
Bearbeitung der 9 eichenreichen Waldtypen lt. Waldtypisierung Tirol

  • Ei1 Frischer Silikat-Linden-Eschen-Stieleichenwald
  • Ei2 Warmer Silikat-Linden-Eichenmischwald
  • Ei3 Frischer basischer Eichen-Lindenmischwald
  • Ei4 Warmer basischer Linden-Eichenmischwald
  • Ei7 Armer Silikat-Kiefern-Eichenmischwald
  • Ei12 Trockener Karbonat-Fels-(Kiefern-Linden-)Eichenwald
  • Lh1 Frischer Karbonat-Linden-Eichenmischwald
  • Lh2 Warmer Karbonat-Eichen-Eschen-Lindenwald
  • Lh12 Submontane (Ulmen-Linden)-Eichen-Eschen-Hartholzau

Als Vorbereitung wurden umfassende Recherchen verfügbarer Informationen und Daten über die Eichen-Arten bzw. Eichenwälder durchgeführt und in einer Literaturliste gesammelt.

Anhand von Expertenbefragungen und einschlägiger Fachliteratur wurden aus den Organismengruppen Gefäßpflanzen, Pilze, Flechten, Insekten, Spinnen, Vögel, Reptilien, Kleinsäuger und Schnecken wichtige Leitarten für Eichenwälder angegeben.

Auf Basis der Biotopkartierung Tirol, der Waldtypisierung Tirol und eigener Erhebungen wurde eine Karte der aktuellen Eichenwälder generiert und mit der modellierten Karte der potenziellen Waldtypen verglichen. Den ca. 7.780 ha potenzieller Eichenwaldfläche stehen ca. 155 ha aktuelle eichenreiche Wälder gegenüber, das sind 2 %. Die Hauptverbreitung liegt in den Tieflagen der Südlichen und Westlichen Zwischenalpen sowie in den Innenalpen. Es werden Regionen aufgezeigt, die sich für eine Vernetzung gehäufter Eichenwaldvorkommen anbieten, um dort spezifische Leitarten gezielt zu fördern und Ausbreitungszentren für sie zu schaffen.

Ergänzend zu den bisher vorliegenden Erhebungen der Landesforstdirektion wurden repräsentative Aufnahmen in den neun verschiedenen Waldtypen angelegt (Bestandes-, Boden- und Vegetationaufnahmen). Von den 423 Gefäßpflanzenarten- und Unterarten sowie 30 Moos- und Flechtenarten (in 92 Aufnahmen) sind 29 nach der Tiroler Naturschutzverordnung 2006 geschützt, 31 Arten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten Österreichs.

Eine pflanzensoziologische Bearbeitung klärt die syntaxonomische Stellung der Eichenwaldtypen im System der österreichischen Wälder. Folgende Assoziationen wurden bearbeitet: Sileno nutantis-Quercetum (Br.-Bl. 1959) Ellenb. & Klötzli 1974, Luzulo niveae-Quercetum petraeae Frey 1995, Genisto germanicae-Quercetum roboris Aich. 1933, Luzulo-Quercetum petraeae Hilitzer 1932, Fraxino-Ulmetum Tx. ex Oberd. 1953, Milio-Quercetum roboris Wallnöfer & Hotter 2008, Carici albae-Tilietum cordatae Müller & Görs 1958, Campanulo trachelii-Quercetum petraeae ass. nov.

Um in den verschiedenen Waldtypen exemplarisch konkrete Maßnahmen bezüglich waldbaulicher Methoden, Verjüngung, Strukturverbesserung, Bestandesumwandlung oder Lebensraumschutz (z.B. Totholzmangement) durchführen zu können, wurde je eine Referenzfläche ausgewählt (Gesamtfläche 11,5 ha). Diese wurden genauer kartiert und beschrieben (inklusive Totholzanalysen). Die damit befassten Forstleute und betroffene WaldbesitzerInnen wurden zur Diskussion darüber eingeladen. Mit diesen Flächen kann ein einfaches Monitoring geplant werden, um die Wirksamkeit der z.T. geförderten Maßnahmen zu evaluieren.

In einem Workshop und bei einer Betriebsbesichtigung mit Naturkunde- und Forstfachleuten wurden waldbauliche und naturschutzrelevante Vorgaben und Empfehlungen besprochen. Die Ergebnisse und die auf Literaturrecherchen beruhenden Grundsätze der Pflege und Bewirtschaftung wurden in die Waldtypenbeschreibungen eingebaut und stehen im Waldtypenhandbuch der Waldtypisierung Tirol allgemein zugänglich zur Verfügung.

Referenzfläche

Referenzfläche für den Waldtyp Lh2

Waldtyp Ei3

Beispiel für den Flächenvergleich aktuell / potenziell beim Waldtyp Ei3



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